KunstTour Oberhausen

11. August 2026

Vom schwebenden Elefanten, tanzenden Strommast und dem Mysterium der Sonne

 

Georg Kolbe, Wilhelm Lueg, 1940–1941, St. Antony-Hütte Klosterhardt © Rainer Schlautmann

 

„Was heißt denn Adamas?”, „Das ist direkt bei uns in der Nähe!” – Schüler*innen drängen sich in kleinen Gruppen vor die Bilder in der Ausstellung. Viele der Bildmotive sind ihnen aus dem Alltag bekannt. Auf den ersten Blick scheinen die ernst dreinblickende Büste des Montantindustriellen Wilhelm Lueg, geschaffen durch niemand Geringeren als Bildhauer Georg Kolbe, Hartwig Kompas leuchtend roter Stufenturm auf der Brache Vondern oder die mit lebhaften Landschafts- und Tierdarstellungen bevölkerte Wand der kenianischen Künstler Brian Kimani, Isaiah Malunga und Adam Masava vor dem Postgebäude an der Friedrich-Karl-Straße wenig gemeinsam zu haben. Doch egal ob repräsentative Porträtbildhauerei, Erinnerungen an Industriekultur, Brunnenskulptur, Klangkunstwerk oder Street Art – sie alle gehören zu den Kunstwerken im Oberhausener Stadtraum. In diesem Jahr erfahren die 94 lokalen Werke, die für viele Oberhausener*innen längst Teil des Arbeitsweges, Treffpunkt mit Freund*innen oder Symbol des eigenen Stadtviertels sind, besondere Aufmerksamkeit. Neben der Ausstellung Von Adamas bis Zauberlehrling. Kunst in Oberhausen – fotografiert von Rainer Schlautmann, die im Juni im Kleinen Schloss der LUDWIGGALERIE eröffnet, wird auch die KunstTour der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

inges idee, Zauberlehrling, 2023, Gehölzgarten Ripshorst © Rainer Schlautmann

 

Von der Idee bis zur Website

Das Projekt KunstTour Oberhausen wird 2024 auf Initiative des Kulturdezernenten Apostolos Tsalastras ins Leben gerufen. Ziel ist es, ein Verzeichnis der Kunst im öffentlichen Raum zu erstellen und die vielfältigen Werke damit sichtbar zu machen. Mithilfe der Förderung des Landschaftsverbandes Rheinland, unter der Federführung des Kulturbüros und mit fachlicher Begleitung durch die LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen kann das Vorhaben auf den Weg gebracht werden. Die Details sind schnell geklärt: Die Kunst soll den Sprung in die digitale Welt wagen, es soll eine Website sowie eine App geben, die alle Werke mit Bildern und kurzen Hintergrundinformationen vorstellt. Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt schlägt vor, den Fotografen Rainer Schlautmann für das Projekt zu beauftragen. Der Oberhausener fokussiert sich in seinem Werk auf Kunst und Kultur und fotografiert nun erstmals die öffentliche Kunst in seiner Heimatstadt. Für die KunstTour setzt er diese gekonnt in Szene, verleiht bekannten Werken neue Perspektiven, spielt mit Licht, Schatten und der Umgebung. Da bekommt Karl Muschaleks Eule plötzlich Augen, welche sich erst bei näherem Hinsehen als das Laub der im Hintergrund stehenden Bäume entpuppen, die im perfekten Winkel durch die Augenlöcher der Eule eingefangen werden. Die Statue des Gottlob Jacobi von August Bauer erscheint beinahe mystisch und halb verborgen im Grün der Umgebung und der Tanz des Strommastes Zauberlehrling von inges idee wird durch das Arrangieren mit seinen starren Brüdern noch lebendiger. Um aus jedem Werk das Beste herauszuholen, fotografiert Schlautmann in allen Jahreszeiten. Wirken manche Arbeiten am besten mit einem frühlingshaften Grün als Kulisse, erstrahlen andere erst durch eine Schneeschicht in vollem Glanz.

Die Erstellung der Texte zu den einzelnen Werken und der Routen, die Besucher*innen in den verschiedenen Stadtteilen zu den Highlights der öffentlichen Kunst führen, übernimmt Lena Elster. Ein besonderer Aspekt des Projektes umfasst die Barrierefreiheit: So verfasst Uschi Baetz ästhetische Deskriptionen für Menschen, die schlecht oder nicht sehen können. Dadurch bietet die Website www.kunsttour-oberhausen.de einen Zugang für die gesamte Stadtgemeinschaft zu ihrer Kunst. Knapp zwei Jahre nach dem Start des Projektes gibt die Stadt Oberhausen im Mai 2026 das neue digitale Angebot bekannt.

 

Bekanntes, Neues und Mysteriöses

Wer bereits einen Blick auf die Website oder auch in den begleitenden Katalog zur Ausstellung geworfen hat, wird sicher einiges Bekanntes, aber auch neue Kunst entdeckt haben. Dabei wird deutlich, wie viele Facetten Oberhausen zu bieten hat und wie viel die Kunstwerke erzählen, sobald man sie sprechen lässt. Da ist der Elevated Levitated Elephant von Jörg Mazur, der auf eine Anekdote aufmerksam macht, bei der Elefantendame Tuffi aus der Wuppertaler Schwebebahn springt und wenig später auch dem Oberhausener Rathaus einen Besuch abstattet. Der Berliner Bär von Otto Waldner symbolisiert die Verbundenheit der Stadt mit dem geteilten Berlin und erinnert an den Aufstand des 17. Juni. In Sterkrade zeigt Wilhelm Hanebals Der Eisengießer eine weniger idealisierende als vielmehr erschöpfte Darstellung eines typischen Berufes der Industriekultur – was der Figur im Volksmund prompt den Spitznamen müder Theodor einbringt. Und: Ein Kunstwerk lässt bezüglich seiner Herkunft bisher alle Beteiligten im Dunklen tappen. Es handelt sich um ein Stahlobjekt in Form einer Sonne, die an einem alten Brückenpfeiler am Rhein-Herne-Kanal zu finden ist und deren Urheber*in (bisher) nicht zu ermitteln ist. Vielleicht ist bis zum Ende der Ausstellung Licht ins Dunkle zu bringen?

 

Günther A. Steinmann, Adamas, 2010, Rathauspark Oberhausen © Rainer Schlautmann

 

Die Schüler*innen, die heute die Ausstellung im Kleinen Schloss besuchen, suchen sich ihre Lieblingsbilder aus und versuchen, die Formen der Kunstwerke nachzuzeichnen. Während die Jungs Günter A. Steinmanns imposanten Adamas vorm Rathaus favorisieren – der Name kann auf einen athenischen Bildhauer, einen Trojaner aus der griechischen Mythologie oder ein unzerstörbares Material hinweisen – entscheiden sich einige Mädchen für die Medusa, eine Abbildung der mythologischen Figur im Comic-Stil, die Raha Alborzy im modernen Gewand ans Mauerwerk in Alt-Oberhausen bringt. Altes und Neues, Urbanes und Regionales, Stahl, Sandstein und Graffiti; die Kunst im öffentlichen Raum Oberhausens birgt einige Überraschungen! Und wer bisher an den Kunstwerken in seiner Umgebung nur vorbei geschlendert ist, sieht diese nun vielleicht mit anderen Augen.

Lena Elster

 

 


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