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LUDWIG:CHARTS Staffel 23 – Grundschulkinder erobern das Museum

1. Mai 2026
Die Teilnehmer*innen der LUDWIG:CHARTS in Karnevalskostümen © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

„Wie soll ich mich denn bei so vielen Bildern entscheiden? Das wird ja nie was“, sagt Elisabeth überwältigt beim Anblick der zahlreichen Kunstwerke.

Es ist der erste Projekttag der LUDWIG:CHARTS für die Grundschüler*innen der Oberhausener Falkensteinschule. Manche der Kinder waren zuvor noch nie in einem Museum und sind sichtlich beeindruckt. Nach dem Kennenlernen und einer kurzen Besprechung flitzen sie los, um die Ausstellung und das Schloss mit allen Sinnen zu erforschen. „Wie soll denn Kunst bitte riechen?“, fragt Gloria skeptisch. „Ganz klar!“, erwidert Isabella, „das riecht nach Schminke“, und zeigt auf ihr Lieblingsbild – einen überdimensionalen Lippenstift, der über eine Kraterlandschaft fliegt. Die gesammelten Eindrücke werden akribisch auf vorbereiteten Sinneskarten notiert.

Das Team der LUDWIG:CHARTS erarbeitet gemeinsam die TOP 10 © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Die angehenden Peer-Teamer*innen treffen sich über mehrere Wochen jeden Freitag in der LUDWIGGALERIE im Rahmen der Ausstellung GERMAN POP ART. Zwischen Provokation und Mainstream, um an der Auswahl und Präsentation ihrer TOP 10 zu arbeiten. „Es ist immer wieder faszinierend, wie engagiert die Kinder an der Zusammenstellung ihrer Charts tüfteln“, meint Sabine Falkenbach, eine der Projektleiterinnen, während eine Gruppe von Teilnehmer*innen angeregt mit Händen und Füßen vor einem Bild diskutiert. Sie und Ursula Bendorf-Depenbrock haben die LUDWIG:CHARTS ins Leben gerufen und als Team das Konzept über viele Jahre mit innovativen Ideen verfeinert.

Es wird um jeden Platz gerungen, bis alle Lieblingswerke gekrönt sind und die finale TOP 10 gefunden ist. Unterstützt durch fachliche Begleitung tauchen die Schüler*innen nicht nur tief in die Welt der Pop Art ein, sondern lernen auch in gezielten Körper- und Sprechübungen mit der Theaterpädagogin Barbara Grubenbecher, ihre Stimme zu finden. Dabei entdecken sie, wie viel Freude es macht, völlig frei vor Publikum über Kunst zu sprechen und ihre ganz persönlichen Sichtweisen mit anderen zu teilen.

Auch in kreativer Hinsicht stehen die kleinen Künstler*innen der LUDWIG:CHARTS ihren großen Vorbildern der Ausstellung in nichts nach: In Workshops wird gezeichnet, gebastelt, gefilmt und fotografiert. „Wir sollten dem Kunstlehrer oder der Kunstlehrerin der Klasse einen Dankesbrief schreiben“, witzeln die beiden Pädagoginnen Eva Schroeter und Tatiana Sajko angesichts des Talents.

Kinder zeichnen ihre Version des Schlosses © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Heute werden auf transparenten Postkarten die fantasievollsten Versionen des Schlosses in knallbunten Farben verewigt. „Das ist mein Haus“, sagt Beatrix, als sie die Konturen der LUDWIGGALERIE durch die riesige Glasfront nachzeichnet. Dann fügt sie etwas lauter hinzu, damit es alle in der Gruppe hören können: „Nächstes Mal Schuhe ausziehen, wenn ihr mich besucht!“ Es ist Karneval und alle Kinder sind in Kostümen erschienen. Beatrix hat sich als Prinzessin verkleidet und spielt ihre Rolle sehr überzeugend. Maria verbeugt sich zustimmend: „Ja, Eure Hoheit.“ Beide müssen laut lachen.

Die Peer-Teamer*innen begrüßen die Gäste im Museumsfoyer I Eine große Zuschauermenge folgt den Ausführungen der Kinder © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Der große Tag! „Hoffentlich kommt keiner“, flüstert Anna aufgeregt, bevor sie konzentriert beginnt, ihre Aufzeichnungen zu studieren. Ihr Wunsch wird zur Freude aller nicht erfüllt. Die Familien der Teamer*innen, Freund*innen und Schulkamerad*innen strömen in das Foyer der LUDWIGGALERIE zur großen Abschlusspräsentation. Hier werden die Gäste empfangen und bereits zu Beginn Zeuge des ersten Highlights. Die Kinder haben sich in Eigenregie eine komplexe Begrüßungschoreografie ausgedacht, die heute mit einer solchen Leichtigkeit und Perfektion ihre Uraufführung feiert, dass sie es fast selbst nicht glauben können. Mit dem breitesten Lächeln geht es ab in die Ausstellung.

Es ist mucksmäuschenstill. Die Besucher*innen lauschen aufmerksam den Ausführungen – ja nichts verpassen! „Vier Mädchen, die sind zusammen ein Regenbogen“, erklärt Tuana. Sie beschreibt gemeinsam mit Nele ihr Lieblingsbild. Von den schrillen Pop-Art-Farben sind die Schülerinnen besonders angetan. „Das riecht nach Alkohol. Es sieht aus, als wenn sie tanzen.“ Dann ergänzt Nele diplomatisch: „Jeder kann es sehen, wie er will.“

Die Mitschüler*innen lauschen aufmerksam der Führung I Eine Gruppe von Teilnehmerinnen präsentiert ihr Lieblingsbild © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Plötzlich ertönt Musik aus dem Hintergrund und jetzt beginnen die beiden tatsächlich zu tanzen. Sie haben sich überlegt, ihre Präsentation mit einer kleinen Performance aufzulockern. Inspiriert von so viel Selbstbewusstsein beginnen auch einige der anderen Schüler*innen, dem Takt der Musik zu folgen. „So, fertig“, sagt Nele zufrieden. „Gibt’s noch Fragen?“ Das ist der Startschuss. Unzählige Arme schnellen nach oben und es wird ein Feuerwerk von Fragen entfacht. „Die Fantasie der Kinder zu erleben, ist so bereichernd“, begeistert sich Sabine Falkenbach, als sie den intensiven Austausch mit den Gästen aufmerksam verfolgt. „Unfassbar spannend.“

Nach der Führung können sich alle Beteiligten in der Museumswerkstatt kreativ austoben oder am Buffet stärken. „Liebe geht durch den Magen“, weiß Nane nur zu genau und schließt Moni fest in ihre Arme. Monika Kempkes ist eigentlich der stille Star des Projekts. An jedem Termin der LUDWIG:CHARTS kümmert sie sich rührend um das leibliche Wohl der Teilnehmer*innen.

Die Gäste bedienen sich am Buffet I Kreatives Arbeiten in der Museumswerkstatt © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen

Am Ende des Tages und somit des Projekts ist eine leichte Traurigkeit zu spüren. Leider ist schon wieder alles vorbei, aber die nächste Staffel lässt nicht lange auf sich warten …

Kevin Casper


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