Mit der Nachtigall nach Oberhausen: Co-Kurator Frank Bartsch im Gespräch
17. Dezember 2025Die Geschichte von Frank Bartsch ist der Traum eines jeden Udo-Fans. Im Kinderzimmer der 70er hört er Udos Platten, Jahrzehnte später gehört er zum engen Vertrautenkreis rund um Udo. Im Interview erzählt er von seinem persönlichen Weg mit dem Panikrocker und lässt die Entstehung der Ausstellung Revue passieren.

Udo Lindenberg und Frank Bartsch in der Diskografie © Tine Acke, Ludwiggalerie 2025
Alles begann mit einem Plattenspieler…
Im Großen Schloss die Kunst, im Kleinen Schloss die Diskografie: Udos Werk nimmt in der Schau das gesamte Gebäudeensemble der LUDWIGGALERIE ein. Können Besucher*innen auf der einen Seite in Likörellen, nackten Akten und Udogrammen schwelgen, lässt auf der anderen Seite eine nostalgische Zeitreise durch Udos musikalische Welt die Fan-Herzen höher schlagen. Kuratiert wurde die kunsthistorische Aufbereitung und der Musik-Teil von Museumsdirektorin Dr. Christine Vogt und Frank Bartsch. Und der hat seinen ganz eigenen Platz im Udoversum.
Sein Weg vom Fan zum Archivar Udo Lindenbergs nimmt seinen Anfang im Jahr 1977. Seine ältere Schwester bekommt zu Weihnachten einen Plattenspieler: Im gemeinsamen Kinderzimmer läuft neben Cat Stevens auch Udo Lindenberg bald rauf und runter. Zu Riki Masorati spielt Bartsch mit seinen Autos von Matchbox und Siku. Mit 14 Jahren sieht er Udo dann das erste Mal am Backstage-Eingang der Würzburger Konzerthalle und 1992 gibt es das erste Gespräch mit dem Musiker bei einem Konzert in Frankfurt. Von da an geht es steil bergauf: Wo Udo auftritt, kann man sicher sein, dass Bartsch dabei ist. Nachdem die beiden 2006 in den persönlichen Kontakt treten, übernimmt Bartsch ab 2012 Tätigkeiten in Udos Firma – Flexibelbetriebe nennt Udos das. „Und flexibel”, sagt Frank Bartsch, „bin ich noch heute”.
Die Entstehung eines besonderen Ausstellungsprojektes
Auch bei der Oberhausener Ausstellung ist es letztlich der Zufall, der den Stein ins Rollen bringt. 2019 lernen sich Dr. Christine Vogt und Frank Bartsch im Rahmen einer Udo-Schau kennen. Etwa vier Jahre später wird eine Idee zu einem Plan und ein Plan zu einer Ausstellung. Erst durch die Förderung der Brost-Stiftung lässt sich das Vorhaben schließlich verwirklichen. Frank Bartsch übernimmt unter anderem die allgemeine Organisation, kuratiert die Räume im Kleinen Schloss und steuert auch viele Exponate seiner eigenen Sammlung für das Große Schloss bei. Im Katalog zur Ausstellung berichtet er detailliert über die Genese des Projektes. Im Interview erinnert er sich an die aufwändige Umsetzung:
„Die Arbeit war herausfordernd, weil wir direkt zuvor eine weitere Ausstellung im Neuen Kunstmuseum Tübingen hatten, der Wechsel erfolgte quasi fliegend innerhalb weniger Tage. Beeindruckt hat mich das tolle Team der LUDWIGGALERIE, das jederzeit hilfsbereit und freundlich war, auch wenn es mal hektisch wurde. Frau Dr. Vogt und Frau Dr. Hülsewig haben die Kunst mit so viel Sachverstand kuratiert, hier wurde Udo künstlerisch fundiert in neue Sphären gehoben. Das hat mich überrascht und beeindruckt.”
Udos Weg zur Ikone
Auch an die Ausstellungseröffnung denkt Frank Bartsch gerne zurück. Eigentlich ein grauer Tag mit Regenankündigung, bis Udo auf die Bühne tritt und die Sonne wortwörtlich aufgeht. Das erlebt Bartsch nicht zum ersten Mal. Oft bergen Udos Auftritte kleine Überraschungen und scheinen selbst das Wetter umstimmen zu können. Ob das am eisernen Willen und Glauben der Nachtigall, wie Udo sich selbst gerne nennt, liegt? Diese Eigenschaften sind es zumindest, in denen Frank Bartsch den großen Erfolg Udos begründet sieht: „Sein unermüdlicher Wille und Glaube, dass er ein großer Star werden kann, sind wohl das wichtigste Fundament. In seinem bisherigen Leben hat er aus meiner Sicht für drei gearbeitet und für vier gelebt, das alles hat ihn zu einer lebenden Legende geformt und sich seit seinem Comeback für ihn gebührend ausgezahlt. Es ist großartig, dass er diesen Verdienst heute bei voller Gesundheit genießen darf.”
An der Seite von Udo erlebt Bartsch nicht nur den Musiker als einen warmherzigen und hilfsbereiten Menschen ohne Starallüren. Auch viele der Fans kennt er gut und weiß, wie viel Udo ihnen bedeutet. Oft sind sie bei Begegnungen zu Tränen gerührt; kein Wunder, ist Udo im Osten der Bundesrepublik doch immer noch stark mit dem Widerstand gegen die DDR verknüpft, mit einem Auflehnen gegen das System, mit Rebellion und Freiheit. Im Westen hingegen gilt er als Pionier für deutschsprachige Musik jenseits von Schlager-Kitsch und als jemand, der zeigt, dass man groß träumen kann. Genauso lebensbejahend ist für Frank Bartsch auch Udos Kunst: „Lebensfreude und gute Laune, gespickt mit einer guten Message”.
Der Phönix aus der Flasche
Das Ende der Schau rückt immer näher, aber es gibt noch einige schöne Veranstaltungen mit Frank Bartsch, die den Abschied versüßen. So können Besucher*innen sich am 15., 16., 17. und 18. Januar auf Ausstellungsführungen sowie einen Vortrag freuen. Eine Empfehlung des Co-Kurators gibt es vorab: „Leute gebt Gas, die Ausstellung endet am 18. Januar 2026 endgültig. Weitere Verlängerungen sind nicht mehr möglich. Jetzt kann man noch tief in das Udoversum eintauchen und es ist für jeden etwas dabei – garantiert auch für die, die Udo bisher eigentlich nicht mögen.”
Die Ausstellung hält also für jeden etwas parat und die passende Kunst zum liebsten Udo-Lied findet sich bestimmt. Der Lieblingssong von Frank Bartsch ändert sich übrigens je nach Gefühls- und Lebenslage. Lieblingsbild ist jedoch eindeutig der Phönix aus der Flasche: Mit Champagnerglas und Joint entsteigt Udo, einem Dschinn gleich, munter einer grünen Flasche. Wie der Phönix aus der Asche erfindet er sich immer wieder selbst neu. Er ist eben, wie Frank Bartsch es treffend formuliert, „ein bemerkenswerter Vogel”!
Lena Elster
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