Werke mit Wut und Wucht: Udos Pimmelköppe
14. Dezember 2025Noch bis zum 18. Januar ist das Udoversum in der LUDWIGGALERIE zu Gast. An diesem Tag endet außerdem eine besondere Aktion. Zugunsten des Friedensdorfes International kann ein von Udo signierter, hochwertiger Kunstdruck ersteigert werden. Das Werk aus dem Jahr 2000 hatte Udo bei seinem Besuch zur Ausstellungseröffnung im Gepäck und schenkte es dem Friedensdorf zur Versteigerung. Das Thema des Bildes mit dem Titel Gegen Rechte Gewalt – Pimmelköppe I ist Kenner*innen von Udos Kunst kein unbekanntes: Es handelt sich um ein kraftvolles Statement gegen rechte Gewalt.
Rock gegen rechte Gewalt
Neben dem oft witzigen, bunten und fröhlichen Figurenpersonal, das Udos Leinwand entspringt, ist auch eine graue, düstere Gruppe Teil seines Werkes. Es sind die sogenannten Pimmelköppe – träge, dumpfe Gestalten mit kahlgeschorenen Köpfen, groben Gesichtszügen und gleichgeschalteter Physiognomie und Uniformierung. 2001 veröffentlicht Udo die Single Pimmelkopp! und rechnet in dem Song mit Skinheads und dem Wegschauen der Polizei und Justiz angesichts rechtsextremer Gewalt ab. Udo initiiert mit anderen Künstler*innen Konzerte unter dem Motto „Rock gegen rechte Gewalt”, geht auf Tournee und entwirft ganz nebenbei Werbemotive für die Veranstaltung. Die entstandenen Bilder heben sich deutlich vom Rest seines Œuvres ab. Der Hintergrund ist grau, schwarz, rot, braun; spiegelt das blutige Gedankengut und die braune Politik der Abgebildeten wider. Auch die Wahl der Materialität schlägt eine Brücke zum Bildsujet. So verwendet Udo Blut und Straßendreck. Dadurch wird nicht nur eine schmutzige, an Gewalt erinnernde Atmosphäre erzeugt, auch die Blut- und Bodenideologie der Nationalsozialisten wird im übertragenen Sinne dargestellt. Für eine Dreidimensionalität, welche den Betrachter*innen die kraftvolle Aussage förmlich ins Gesicht springen lässt, sorgen die dick aufgetragenen Farben. Die genauen Motive der verschiedenen Bilder unterscheiden sich, immer sind auf ihnen aber Neonazis abgebildet, deren Haltung sich an Aussehen und in ihren Posen erkennen lässt. Mit Baseballschlägern und in Springerstiefeln bringen sie ihre stumpfe Gewalt zum Ausdruck. Obwohl der Hintergrund bedrohlich und dunkel wirkt, erwecken die Gestalten selbst doch eher einen jämmerlichen Eindruck. Heruntergezogene Mundwinkel, leere Augen, schlaffe Haltung: Ihre eigene Unzufriedenheit und Ignoranz schreibt Udo ihnen gekonnt in die Gesichter.

Ausstellungsansicht Pimmelköppe im Großen Schloss © LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
Die Menschenfamilie: Platz für alle
Im Gegensatz dazu bringt Udo ein Jahr später seinen Traum einer in Harmonie und Frieden zusammenlebenden Menschheit aufs Papier. Die Menschenfamilie I erinnert an ein Wimmelbild. Personen jeglicher Coleur tummeln sich hier, halten sich im Arm, lächeln und feiern. Ein krasser Kontrast zur Eintönigkeit der Pimmelköpfe: Diversität statt Gleichschritt, Farbe statt Grau, Fröhlichkeit statt Tristesse. In dem Bild finden sich gleich mehrere Alter Egos von Udo, die wie immer am typischen Hut zu erkennen sind. In einer solchen Welt fühlt sich Udo merklich wohl. Mit seinen Pimmelköppen erinnert Udo an dunkle Zeiten und warnt vor neuem Rechtsextremismus. Mit seiner Menschenfamilie zeigt er eine Vision, wie man es besser macht.

Udo Lindenberg, Menschenfamilie I, 2001 © Udo Lindenberg Archiv
Eine Stiftung fürs Friedensdorf
Das Friedensdorf International unterstützt mit verschiedenen Projekten die medizinische Versorgung von Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten. Auch für Bildungsarbeit setzt sich der Verein ein und möchte dem weltweiten Frieden so ein Stückchen näher kommen. Der Erlös aus der Auktion des Pimmelköppe-Bildes kommt diesem Ziel zugute. Bei dem Werk handelt es sich um einen Kunstdruck, dessen Original in der LUDWIGGALERIE zu sehen ist. Die Pimmelköppe sind hier in typischer Manier zu sehen. In einer Reihe stehen sie hintereinander und verschmelzen durch ihre Ähnlichkeit in Aussehen und Gebaren zu einer Masse, die das Individuum unkenntlich macht. Der Hintergrund nimmt eine Zweiteilung in Schwarz und Weiß vor. Die Nazis schälen sich aus der schwarzen Farbigkeit der Vergangenheit hervor und marschieren mit Hitler-Gruß in die Gegenwart. Die Baseballschläger verbinden die beiden Seiten und machen deutlich: Rechtsextremismus ist noch lange nicht überwunden. Einzig Udos handschriftliche Botschaft mit Herzchen und Kussmund auf der hellen Bildseite bricht die Botschaft auf und stellt sich gegen die düstere Thematik. Das Bild soll nicht nur Warnung, sondern auch Appell sein, extremistische Kräfte nicht zu ignorieren. Die Versteigerung endet am 18. Januar 2026 um 18 Uhr – also schnell noch mitmachen und die Pimmelköppe mit einem Beitrag für eine bessere Welt verblassen lassen!

Kunstdruck mit Widmung: Udo Lindenberg, Gegen Rechte Gewalt – Pimmelköppe I, 2000 © Udo Lindenberg Archiv
Lena Elster
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