„Wie ‘n alter Freund” – Udos Weggefährt*innen in Panikcolor
28. Dezember 2025Ob Meise, Kurt oder Nina: In Udo Lindenbergs künstlerischem Œuvre tummeln sich nicht nur barbusige Frauen mit Champagnergläsern oder der Künstler selbst in Hut- und Sonnenbrillengewandung, auch Freund*innen und Wegbegleiter*innen gehören selbstverständlich auf die Leinwand des malenden Panikrockers. Apropos Panik – im August 1973 gründet sich das legendäre Panikorchester rund um Steffi Stephan, Gottfried Böttger, Peter Backhausen, Judith Hodosi und Karl Allaut. Die Besetzung verändert sich mehrmals in den darauffolgenden Jahren, der Paniksound bleibt. Udo beschreibt seine Band als wild, wahnsinnig, crazy und glamourös. 1975 verewigt Udo die Gruppe, die ihm mit dem Album Alles klar auf der Andrea Doria zum Durchbruch verhalf und den Deutschrock zum Erfolg katapultierte, in seinem ersten Buch Albert Alptraum bis Votan Wahnwitz. Die Bandmitglieder werden mit ihren jeweiligen Instrumenten und Namen vorgestellt, wobei teilweise mehrere Personen einem Instrument zugeordnet werden. Die gezeichneten Figuren dienen dabei eher als Stellvertreter und weisen kaum individualisierte Gesichtszüge oder Merkmale auf. Konkreter wird es dann anlässlich der Single Kurt Richter-Blues (1977), die Udo dem Geschäftsführer seiner Plattenfirma zu dessen 60. Geburtstag widmet. Dieses erste von Udo gezeichnete Cover zeigt den TELDEC-Chef in seinem Büro, dahinter Udo, der den Betrachter*innen zuprostet – eine Geste, die sich in seinen späteren Werken durchsetzen wird.
Single Kurt Richter Blues Cover, 1977
Der Hausfreund

Udo Lindenberg, Udo und Meise und Herr Meise bei der Arbeit, beide 1979
Verschiedene Bekannte, Freund*innen und Kolleg*innen aus dem Showbiz werden von Udo porträtiert. Ein häufiges Motiv stellt Udos Freund Alfred von Meysenbug, alias Meise dar. Der „Hausfreund”, wie Udo ihn nennt, ist auf dem vergilbten Kneipenblock in diversen, teils kuriosen Situationen zu sehen, etwa beim Geschlechtsverkehr, im Bordell oder mit Udo im Arm als „Traumpaar”. Meysenbug, Künstler und Figur der 68er-Bewegung, arbeitet im Hamburg der 1970er Jahre eng mit Udo zusammen und illustriert einige seiner Plattencover. Er soll auch Anstoß für die Politisierung des jungen Udo sein. Die Portraits weisen eine deutliche Ähnlichkeit zur abgebildeten Person auf: Lange Haare, Brille und spitze Nase. Die enge Verbindung zwischen den beiden Künstlern wird durch den für eine Freundschaft typischen freimütigen Humor, der in vielen der Zeichnungen mitten ins Gesicht springt, deutlich. In Herr Meise bei der Arbeit (1979) steht Meysenbug vor der leeren Leinwand, ein Motiv, das Udo in einem Selbstporträt der Zehn Gebote 2005 wiederholt. Die geteilte Kunst und Kreativität sind Bindeglied zwischen den Beiden und blitzen auch immer wieder in den ansonsten eher humorvollen Zeichnungen auf.
Von Nina Hagen bis Apache: In Musik und Farbe

Udo Lindenberg, Wir wollen doch einfach nur zusammen sein II, 2006
„…wollen doch einfach nur zusammen sein.”, untertitelt Udo ein Werk von 2006, das ihn mit Nina Hagen zeigt. Die bekannte Zeile stammt aus Udos Song Wir wollen doch einfach nur zusammen sein (Mädchen aus Ost-Berlin) von 1973 und ist mit der beinahe schon zur Legende gewordenen Geschichte um Udos Liebe zu einem Mädchen aus der DDR verknüpft. Hier wird sie mit Nina Hagen, die aus Ost-Berlin kommt und mit der Udo eine Künstlerfreundschaft pflegt, in Verbindung gebracht. Das Bild zeigt die Sängerin im typischen Stil ihrer schrillen und bunten Outfits. Gemeinsam mit Udo bringt sie 1992 das Lied Romeo & Juliaaah heraus. Auch ihre erste Begegnung hat Legendenstatus: So sollen sie sich in der Wohnung von Wolf Biermann getroffen haben, die junge Nina Hagen einen selbstbewussten Spruch auf den Lippen: „Guck mich an, ich werd mal ein großer Star”. In Udos Werk scheinen die beiden in romantischer Pose auf einem Berg zu sitzen, doch ihre entgegensetzten Körper und Blickrichtungen deuten die individuellen Wege an, die beide erfolgssicher beschreiten.
Es soll nicht das letzte Mal bleiben, das Udo Duettpartner*innen auf die Leinwand bringt.

Udo Lindenberg, Komet mit Apache 207, 2023
Der Wahnsinns-Hit Komet (2023) als Zusammenarbeit zwischen Udo und Apache 207 wird im selben Jahr mit dem Farbpinsel weitergeführt. So entwirft Udo mehrere Bilder, die ihn und den Rapper Arm in Arm vor einem Kometen zeigen. Das friedliche und zugleich monumental aufgeladene Setting in kräftigen Türkistönen spiegelt die Botschaft des Songs perfekt wider. Verbindend ist hier auch der gemeinsame Wunsch nach einem Leben, das sich in der Weltgeschichte einprägt und Spuren hinterlässt.
Ein Rendezvous mit sich selbst: Gerhard Spritzweg im Spitzwegstübchen
Udo Lindenberg, Gerhard Spritzweg, 1996
Eine weitere Person findet sich im Lindenberg’schen Kosmos: Es ist der mysteriöse Gerhard Spritzweg. Ein Freund von Udo, ein Künstler – wer ist dieser langhaarige Mann, den Udo lächelnd im Hotel Atlantic begrüßt? Es ist niemand Geringeres, als Udo selbst, der Name inspiriert von seinem Zwischennamen Gerhard. Das Bild von 1996 zeigt Udo in einer Begegnung mit sich selbst. In seinem Wohn-Hotel hält sich Udo unter anderem im Spitzwegstübchen, benannt nach dem Maler Carl Spitzweg, auf – daher wohl der Nachname seines Alter Egos. Das freundliche Aufeinandertreffen der beiden Udos beweist: Die wichtigste Beziehung in deinem Leben ist die zu dir selbst!
Lena Elster
Allgemein
Single Kurt Richter Blues Cover, 1977
Udo Lindenberg, Gerhard Spritzweg, 1996